Depressionen durch zu viel Obst und krank durch Gluten?

Philipp Rauscher

Es gibt Fragen, die ich immer wieder gestellt bekomme. Ganz besonders häufig geht es dabei um Unverträglichkeiten. Und hier sind es dann natürlich die berüchtigten Drei, die ganz oben auf der Liste stehen:

• Gluten
• Laktose
• Fruktose

Es wird also Zeit, dieses Thema auch einmal öffentlich anzugehen bzw. einen kleinen Blick darauf zu werfen und zu erläutern, wie ich in meinen Coachings und Diskussionen mit diesem Thema umgehe und wie ich dazu jeweils stehe. Gehen wir also am besten direkt in die Thematik hinein.

Gluten: Die programmierte Zerstörung des Darms?

Eins vorweg: wir reden in diesem Artikel NICHT über eine diagnostizierte Zölliakie, sondern darum, wie man mit Gluten umgehen sollte, wenn man eben KEINE Zölliakie hat. Denn bei Personen mit Zölliakie ist eines klar…Gluten muss komplett aus dem Speiseplan verbannt werden und hier gibt es derzeit auch keine andere Therapiemöglichkeit.

Mittlerweile gibt es aber immer mehr Personen die sich selbst eine Glutenunverträglichkeit diagnostizieren. Oftmals wurden oder werden diese Personen dann gerne belächelt. Doch mittlerweile wird auch die Forschung im Bereich der Glutensensitivität ein wenig aktiver. Scheinbar gibt es wohl doch ein Zwischenstadium zwischen „gesund“ und „Zölliakie“!?

Bei einer Zölliakie kommt es zu starken Entzündungsreaktionen an den Darmzotten im Dünndarm. Es kommt zu Bauchschmerzen, starken Durchfällen, erhöhten Entzündungswerten und möglichen negativen Auswirkungen auf das Immunsystem. Man spricht auch häufig vom Leaky Gut Syndrom. Ich habe zum genauen Mechanismus auch HIER bereits ein Video veröffentlicht.

Bei einer Glutensensitivität ist es ein wenig anders. Hier kommt es nicht zu starken Entzündungsreaktionen oder zur Zerstörung der Darmzotten, wie bei der Zölliakie. Dennoch kommt es zu negativen Reaktionen durch Gluten. Die meisten Menschen mit Glutensensitivität bekommen das erst dann wirklich zu spüren, wenn sie über einen gewissen Zeitraum auf Gluten verzichten. Plötzlich fühlt man sich allgemein besser, kann sich vielleicht besser konzentrieren, hat weniger Gelenkschmerzen oder plötzlich eine bessere Verdauung, ist seltener müde und abgeschlagen oder starke Blähungen gehören plötzlich der Vergangenheit an.

In einem solchen Fall gilt es also, den Test an sich selbst zu machen und einfach über 2-4 Wochen konsequent auf Gluten zu verzichten. Der Gang zum Arzt ist hier oftmals nicht sehr vielversprechend. Denn dieser testet normalerweise auf Zölliakie. Eine Glutensensitivität kann jedoch auch ohne Anzeichen auf eine diagnostizierbare Zölliakie auftreten!

Hat man „nur“ eine Glutensensitivität, so kann später, nach einer Periode des Verzichtes auf Gluten oftmals auch wieder glutenhaltige Nahrung in geringeren Mengen gegessen werden. Es kann also praktisch sein, dass man nur ein wenig zu viel abbekommen hat und sich das Immunsystem deshalb ein wenig auf den Schlipps getreten gefühlt hat.

Das ist auch mit der Grund, warum wir gerade heutzutage so viele scheinbare Glutensensitivitäten beobachten können. Das Problem ist die heute sehr stark verarbeitete Nahrung. Fast überall, in jeder Sauce und in jeder Speise befindet sich mittlerweile Gluten. Zudem essen wir extrem viel Getreide. Früher, als man zwar auch Brot und Nudeln gegessen hat, war es womöglich einfach die geringere Menge, die Glutensensitivitäten etwas „versteckt“ hat. Heute konsumieren wir dieses Protein schlichtweg im Überfluss. Wir können also grundsätzlich sagen, wer keine Zölliakie hat, muss nicht zwangsläufig vollkommen auf Gluten verzichten. Wer nach einem Selbsttest jedoch herausgefunden hat, dass er oder sie sich durch glutenfreie Ernährung besser fühlt, sollte versuchen die Glutenzufuhr zum eigenen Wohl hin zumindest einzuschränken. Hier gilt es dann die eigene Schwelle herauszufinden, bei der man sich allgemein noch wohl fühlt.

Bei meinen Profi-Sportlern rate ich zumindest den Glutenverzehr einzuschränken und auf glutenfreie Produkte umzusteigen. So gut es eben geht. Reis statt Pasta, Kartoffeln statt Brot usw. Denn hier ist eine glutenarme Ernährung Teil einer anti-entzündlichen Ernährung. Insbesondere für die Gelenkgesundheit kann sich dies sehr positiv auswirken. Gluten kann beispielsweise zu einer Inaktivierung von Glucosamin führen. Glucosamin wiederum ist wichtig für die Gelenkgesundheit. Ein gestörter Stoffwechsel in diesem Bereich kann zu Gelenkschmerzen führen. Und insbesondere im Weizen finden sich auch viele Lektine und Agglutinine die zu verstärkten Entzündungsreaktionen führen können und den Regenerationsprozess nach intensiven Trainings- und Wettkampfbelastungen verzögern können. Für einen Fußballspieler zum Beispiel, der Woche für Woche mindestens eine Wettkampfbelastung auf höchstem Niveau zu absolvieren hat, ist dies natürlich fatal. Eine optimale Regeneration ist hier essentiell!

Am besten also, wie schon beschrieben, einfach einmal selbst testen wie gut oder schlecht man auf Gluten reagiert, ob es irgendwelche Unterschiede in Konzentration, Regeneration, Verdauung, Leistung oder Wohlbefinden gibt und dann selbst entscheiden, wie man am besten vorgehen sollte.

 

Die Milch macht’s?

Bei Laktose verhält es sich ein wenig anders als bei Gluten. Hier handelt es sich nicht um eine allergische Reaktion, sondern um einen Enzymmangel. Bei Laktose handelt es sich um einen Zweifachzucker. Um eine Kombination aus Galaktose und Glukose. Aufgenommen werden können im Darm jedoch nur Einfachzucker. Damit die Laktose gespalten werden kann in ihre beiden Einzelteile, ist das Enzym Laktase notwendig. Dieses wiederum wird direkt auf den Dünndarmzotten gebildet. Berührt die Laktose damit die Darmzotten, zerfällt sie in Galaktose und Glukose und kann vom Darm aufgenommen werden.

Nicht alle Menschen haben die Fähigkeit Laktase in ausreichender Menge zu produzieren. Genau genommen nimmt die Fähigkeit der Herstellung von Laktase im Laufe des Lebens immer weiter ab. Je älter wir werden, desto weniger Laktase wird produziert und desto sensibler wird man gegenüber Laktose. Denn wenn die Laktose nicht gespalten werden kann, gelangt sie unverdaut in den Dickdarm und dort sorgt sie für ähnliche Probleme wie sie auch bei Zölliakie und Glutensensitivität auftreten können.

Im Grunde genommen ist es auch bei der Laktose ähnlich wie beim Gluten. Laktose findet man heute in sehr vielen Lebensmitteln zusätzlich zugesetzt als Geschmacksverstärker und Co. Zudem essen und trinken wir sehr viele Milchprodukte heutzutage. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere limitierte Kapazität der Laktaseproduktion übersteigen ist somit sehr hoch. Probleme vorprogrammiert, jedoch hausgemacht.
Auch hier gilt: man muss seine eigene Toleranzschwelle für Laktose herausfinden oder auf laktosefreie Milchprodukte ausweichen. Hartkäse beispielsweise enthält keine Laktose mehr und kann alternativ zu laktosehaltigen Milchprodukten herangezogen werden. Oder man verzichtet eben auf Milchprodukte. Das muss man dann eben wieder für sich selbst entscheiden.

 

Führt zu viel Obst zu Depressionen?

Kommen wir zum Abschluss noch zur Fruktose. Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten die zu Problemen führen können. Entweder man hat eine Unverträglichkeit die auf mangelnde Enzymfreisetzung zurückzuführen ist, ähnlich wie bei der Laktoseunverträglichkeit oder es kommt zu einer Malabsorption. Das bedeutet, die für die Fruktoseaufnahme wichtigen GLUT-5 Kanäle sind nicht in ausreichender Menge vorhanden. Oder man isst einfach so viel Fruchtzucker, dass diese Transporter schlichtweg überlastet sind.
Hier kommen wir nun auch zur angesprochenen Depression. Kann Fruchtzucker wirklich zu einer Depression führen? Und wenn ja, warum? Der Schlüssel zu dieser Vermutung liegt in der Transportfunktion von Zucker. Denn gerade die essentielle Aminosäure Tryptophan wird mit Hilfe von Fruchtzucker aufgenommen bzw. bindet an Fruchtzucker wenn dieser vorhanden ist. Befindet sich nun jedoch so viel Fruchtzucker im Dünndarm, dass die Transporter zur Fruktoseaufnahme überlastet sind, kann natürlich auch das gebundene Tryptophan nicht ordnungsgemäß aufgenommen werden. Und Tryptophan ist eine wichtige Vorstufe von Serotonin. Ein Mangel an Serotonin kann jedoch dann in direkten Zusammenhang mit der Entstehung von Depressionen oder depressiven Verstimmungen gebracht werden.

Darf man also in Zukunft kein Obst mehr essen? Quatsch! Bis zu 50g Fruktose täglich kann in der Regel gut toleriert werden. Es sind wieder einmal die berühmten verarbeiteten Produkte die zum Problem werden können. Fruchtsäfte, Haushaltszucker (besteht zu 50% aus Fruchtzucker) und der Einsatz von Maissirup oder Fruktose-Glukose-Sirup in fast jedem Produkt heutzutage führen zum Problem. Denn dann ist man wirklich schnell über 50g Fruktose pro Tag und dann kann Fruktose unter Umständen zu Problemen führen.

Was gilt es also zu tun? Konzentriere dich auf echtes Obst und trink keine Säfte oder nur sehr dünn als Schorle gemischt. Verzichte so gut wie möglich auf zuckerhaltige Lebensmittel und sowieso auf Produkte mit Fruktose oder fruktosehaltigen Zusätzen auf der Zutatenliste. Echtes Obst statt billige Fälschungen. Hält auch besser und länger satt!

Fazit:
Gluten, Laktose und Fruktose werden mit Sicherheit auch weiterhin ein heiß diskutiertes Thema sein. Wichtig ist demnach vielmehr zu verstehen, welche Probleme auftreten können und warum. Und dann heißt es auch ein klein wenig selbst zu experimentieren. Bei schweren Problemen muss natürlich in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Doch auch ohne Diagnose auf Zölliaki und Co. kann eine Ausschlussdiät auf bestimmte Zeit sinnvoll sein. Dann merkt man schnell selbst, ob man sich besser fühlt oder nicht.

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